WordPress: Premium- vs. Gratis-Themes

Soll man bei WordPress Premium- oder Gratis-Themes nehmen? In jedem meiner WordPress-Kurse muss diese Entscheidung von Anfängern und Fortgeschrittenen getroffen werden. Die Entscheidungskriterien sind Kosten- oder Zeitaufwand, eingebaute Funktionalitäten, Look and Feel, Spaltenaufteilung im Frontend, branchenspezifische Eigenheiten und vieles mehr. Im Folgenden werde ich auf die wichtigsten Punkte tiefer eingehen.

WordPress: Premium- vs. Gratis-Themes – Kosten- oder Zeitaufwand

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WordPress: Premium- vs. Gratis-ThemesVincent_AF / CC BY-SA

Das absolut wichtigste Entscheidungskriterium ist der Kosten- oder Zeitaufwand. Alle anderen Entscheidungskriterien sind demgegenüber in der Wichtigkeit geringer einzustufen, auch wenn das bei den manchmal schönen Bildern schwer fällt. Dabei ist der mittelfristige Zeitaufwand noch wichtiger als die Kosten.
Ein Theme, also das Design einer WordPress-Website kostet bis zu 3.000 Euro. Die Masse der heruntergeladenen Themes kosten allerdings zwischen 0 und 100 Euro. Das ist extrem günstig, verglichen mit dem, was große Konzerne für das individuelle Design Ihrer Websites ausgeben. Der Aufbau einer umfangreichen Website für einen Konzern kann ohne weiteres 100.000 Euro kosten. Prinzipiell kann man natürlich sagen: Je höher der Individualisierungsgrad des Themes, umso höher sind Zeitaufwand und Preis.

WordPress bietet Themes grundsätzlich kostenlos an, denn es geht mehr um die Größe der Community als um den Verkauf von Themes. Daher hat WordPress zu allen Zeiten ein hochentwickeltes Theme angeboten, welches immer sehr offen für alle Individualisierungen gewesen ist. Momentan ob Twenty Ten, Twenty Eleven oder Twenty Twelve. Jedes dieser Themes ist zu seiner Zeit jeweils hochentwickelt gewesen. Auch mit Twenty Thirteen und allen folgenden wird es wohl nicht anders aussehen.

Grundsätzlich muss man sich bei der Auswahl von Themes immer die Frage stellen, ob das persönliche Geldbudget oder das persönliche Zeitbudget größer ist, wobei das bei einem Preis von bis zu 100 Euro pro Theme bei meinen Kursteilnehmern oft keine Rolle spielt. Wichtiger ist bei den meisten, wie hoch der zu erwartende Zeitaufwand für die Erstellung und Wartung der Website ist, wie kompliziert das Theme also bei der täglichen Arbeit ist. Dabei ist Zeitaufwand gleich Geldaufwand, wenn man die Entwicklungs- und Wartungsaufgaben delegiert bzw. weitergibt. Ich hoffe spätestens hier wird die Wichtigkeit des Kosten- und Zeitaufwandskriteriums deutlich.

Die meisten User, die sich vor der Auswahl eines Themes befinden, können diesen Punkt nicht überblicken, weil mit einem gewissen Zusatzaufwand verbunden ist. Eigentlich müsste man vor der Entscheidung für ein Theme, das Theme installieren und testen. Diesen Aufwand scheuen gerade Anfänger oft und begnügen sich daher mit oberflächlichen Entscheidungskriterien wie Look and Feel, Farben, Spaltenaufteilung usw.

WordPress: Premium- vs. Gratis-Themes – Funktionalitäten bzw. Plugins

Bevor wir uns den oberflächlichen Entscheidungskriterien zuwenden, haben Funktionalitäten bzw. Plugins die höhere Priorität. WordPress hat zehntausende Funktionalitäten und Plugins. Besonders bei Premium-Themes sind bestimmte Plugins schon in den Code integriert bzw. teilweise integriert. Es gibt zusätzliche Frameworks, die viele schöne Funktionalitäten enthalten. So kann man weitreichende Einstellungen bzgl. des Designs vornehmen oder hat branchenspezifische Möglichkeiten wie z.B. Webshops, Foto-Websites, Rezepteingabemöglichkeiten oder eingebaute Kleinanzeigenmarktfunktionalität. Das Potenzial der Möglichkeiten liegt hier in der Kreativität der Theme-Ersteller bzw. der Kunden.

Wenn man bestimmte Anforderungen an ein Theme hat, hat man bei WordPress prinzipiell zwei verschiedene Möglichkeiten.
1. Gratis-Theme & Plugins
2. Premium-Theme & Integrierte Funktionalität & Plugins
Die meisten Freiheiten hat man mit Gratis-Themes, die möglichst offen programmiert sind. Das sind momentan die WordPress-eigenen Themes wie Twenty Twelve, Twenty Eleven und Twenty Ten. Der Dank der User dafür ist, dass diese Themes auch am meisten heruntergeladen werden. Diese Themes sind offen für alle Plugins.

Premium Themes hingegen haken oft genau an der Schnittstelle. So sind manchmal Plugins voreingebaut, die andere Plugins ausschließen bzw. inkompatibel zu anderen Plugins sind. Die Vorauswahl bzw. die Kriterien, die WordPress selbst für die angebotenen Themes auf der eigenen Website anlegt, sind so getroffen, dass sie zu den bei WordPress angebotenen kostenlosen Plugins kompatibel sind. Diese qualitätsfördernde Vorauswahl durchlaufen Premium-Themes nur, wenn sie in einer freien Version auch bei WordPress angeboten werden. D.h. Premium-Themes fehlt dieses Qualtitätskriterium.

Kurz gesagt: Premium-Themes haben ein potenzielles Problem bei der Kompatibilität zu anderen Plugins… oder… ein Test jeglicher Themes vor der Nutzung ist unausweichlich, wenn man verantwortungsbewusst mit seinem Zeit- und Geldbudget umgehen will.

WordPress: Premium- vs. Gratis-Themes – Look and Feel

Für viele User spielt das Look and Feel bei der Auswahl des WordPress-Themes eine viel zu große Rolle. Prinzipiell kann man bei jedem Theme das Design anpassen. Nun könnte man natürlich auch sagen, dass man bei jedem Theme die Programmierung der Funktionalitäten anpassen kann. Dazu muss man aber wissen, dass Programmierung teurer ist als oberflächliche Design-Anpassungen, welche oft auf Grundlage des vorliegenden Codes gemacht werden können. Also fällt auch hier wieder die Priorität der Funktionalität auf.

Die wichtigsten oberflächlichen Entscheidungskriterien sind Farben, Spalten und Breite des Themes. Bei einem idealen Theme sollte man diese Kriterien eigentlich im Theme selbst auswählen können, ohne sich dafür für ein anderes Theme entscheiden zu müssen. Allerdings habe ich noch kein Theme gesehen, bei dem mir bezüglich dieser Kriterien nicht irgendetwas fehlen würde. Man muss also immer in den Code eingreifen oder sich vorher auf etwas festlegen, was das Theme schon bietet.

Die Quintessenz der Überlegungen zum Look and Feel ist, dass man das Design nicht toppriorisieren sollte, es aber auch nicht vergessen darf, denn auch das Design kann zusätzlichen Aufwand bedeuten, wenn es Extrawünsche gibt.

WordPress: Premium- vs. Gratis-Themes – Entscheidung

Die Entscheidung ist sehr individuell. Ich gehe so vor, dass ich einen Anforderungskatalog mit dem Kursteilnehmer durchgehe, wonach ich optimalerweise weiß, was das Theme können soll. Danach kann ich einige Themes vorschlagen, die in die Detailprüfung kommen, also Live getestet werden. Dieser Aufwand macht mittelfristig auf jeden Fall Sinn, da damit richtig viel Zeit gespart wird. Letztlich trifft der Kunde die Entscheidung und hat meistens ein Bauchgefühl, was auch wichtig ist. Ich kann nur eine Empfehlung aussprechen, die auf Erfahrungen bei der Arbeit mit den Themes und deren Erfolgspotenzial basiert.

Wichtig ist die richtige Priorität: Funktionalität vor Design
Damit erspart man sich viel Zeit und Geld.

Nicht vergessen… WordPress kann es immer noch am besten

Auch wenn ich in meinem Artikel sehr objektiv bzgl. WordPress-Themes bin, also auch Schwächen dargestellt werden, soll das nicht darüber hinweg täuschen, dass WordPress an sich die beste Wahl bei der Website-Software darstellt. Die führende Marktstellung und das rapide Wachstum von WordPress liegen m.E. darin begründet, dass die Website-Lösung für User am leichtesten zu bedienen ist und die Einstiegshürden bzgl. Kosten, Zeitaufwand und Bedienbarkeit möglichst gering gehalten werden, gerade, was den Vergleich mit anderen Tools angeht.

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7 Gedanken zu „WordPress: Premium- vs. Gratis-Themes

  1. Rene

    Auch ein kostenloses WordPress-Theme lässt sich mit wenigen Handgriffen und etwas guten Geschmack verändern und anpassen, wie man es möchte. Das es so etwas überhaupt kostenlos gibt – mit so vielen Möglichkeiten – ist schon großartig.

    Antworten
  2. Tobias

    Was mich bei (manchen) Premiumthemes abschreckt ist, dass man es nicht immer vorher ausprobieren kann. Für mich ist es wichtig, dass ich mit einem Theme genau die Funktionalität und den Look auf meiner Seite erhalte, die ich mir vorab vorstelle.

    Selbstverständlich kann man wenn man ein Theme mal gekauft hat hinterher immer noch selber Hand anlegen und den Code entsprechend ändern, aber einer der Hauptgründe für ein Premium Theme ist ja, dass man das nur möglichst selten tun möchte und möglichst viel über Einstellungen regeln kann.

    Klar, manche Premium-Themes haben auch eine Demo-Version, aber oft muss man auch die Katze im Sack kaufen.

    Antworten
    1. Chris Andersen

      @Tobias
      einfach fragen. Manche machen es. Die Theme-Ersteller verlieren eigentlich nichts dabei, weil Du, wenn Du das Theme einfach weiterbenutzen würdest sowieso in einem Sicherheitsproblem zwischen WordPress-Update und Theme-Update landen würdest. Sobald das Theme nämlich erneuert wird, musst Du spätestens bezahlen. Ich persönlich halte es für unseriös, wenn Theme-Ersteller kein Probe-Download zur Verfügung stellen. Eine Alternative könnte auch sein, dass sie das Theme installieren und Dir einen Probezugang zum Dashboard geben.
      BG Chris :-)

  3. Haiko

    Da es heutzutage schon soooo viele verschiedene Themes gibt, würde ich auch zum Premium-Theme greifen, ansonsten mir ein eigenes bauen oder basteln lassen, um zu vermeiden in den Einheitsbrei zu rutschen.

    Antworten
    1. Chris Andersen

      @Haiko
      Einheitsbrei ist für kreative immer schlecht. Da gebe ich Dir Recht. Dass alle Banken-Seiten fast gleich aussehen, hat aber auch seinen Grund. Die User sollen sich einfach und schnell zurechtfinden. Man sollte halt einen intelligenten und zielorientierten Mittelweg finden und nie aufhören diesen zu optimieren.

      Sowohl die kreative als auch die seriöse Lösung kann mit beidem, Premium-Theme und Gratis-Theme erreicht werden. Bei der täglichen Arbeit für meine Kurs-Kunden mit verschiedensten Premium-Themes kann ich sagen, dass Premium-Themes auch nicht exklusiv sind, es sei denn man bezahlt statt zwischen 10 und 100 Euro, über 2000 Euro. Letztere Art von Exklusivität wählen allerdings nur gefühlte ca. 1% der WordPress-Kurs-Kunden. Dieses Geld wird dann lieber in funktionale und kreative Individualisierung oder Shop-Einbindung der Themes investiert. Dazu braucht man nicht immer ein Premium-Theme.
      BG Chris :-)

  4. Lea

    Ich denke auch dass die Endscheidung sehr individuell ist. Je nach Kunde,
    die finanzielle Kapazität eines Kunden oder auch für was man Eine Webseite haben möchte. Diese Punkte sind für die Entscheidung wichtig, ob man sich für Gratis oder Premuim Themes entscheidet.
    Mochte ein Kunde eine Professionelle Webseite für eine Firma ist natürlich das Premuim empfohlen, mochte eine Kunde in der ganzen Sache erst mal rein schnuppern würde ich erst mal das Gratis empfehlen.
    Das ist jetzt natürlich nur meine Meinung :)

    Antworten
    1. Chris Andersen

      @Lea
      Ich gebe Dir da partiell Recht. Der aus meiner Sicht schlagende Vorteil, den man als Firma hat, wenn man ein Premium-Theme kauft, ist, dass man einen Kaufvertrag hat, der eine gewisse höhere Bringschuld beim Theme-Ersteller mit sich bringt. Bei einem Gratis-Theme fällt dieser Vorteil weg.

      Die Frage ist halt, ob es wirklich ein Vorteil ist, weil die meisten guten Premium-Theme-Ersteller hoffnungslos überlastet sind und sich dann doch nicht auf den Kunden konzentrieren. Dann ist es meist besser Firmen suchen sich andere WordPress-Spezialisten, der die Abstraktionsstufe, die die meisten Premium-Theme-Ersteller in ihre Themes einbauen, egalisiert und somit Geld und Zeit spart.
      Oder was meinst Du?

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