Persönlich: 11. September 2001

Was habe ich eigentlich am 11. September 2001 getan? Wo war ich? Das war ein außergewöhnlicher Tag in meinem Leben und daher möchte ich hier ausnahmsweise einen privaten Ausflug machen.

Persönlich: 11. September 2001 – Wo war ich?

Anfang 2001, auf dem Höhepunkt des ersten Internet-Booms in Deutschland, bekam ich einen Anruf des Headhunters von Microsoft, der mich um ein Gespräch bat. Anscheinend war ich irgendwie aufgefallen. Nach ein paar Verhandlungen ;-), begann ich dann nach meiner Kündigungsfrist bei der Deutschlandzentrale von Microsoft MSN in München als Strategic Client Manager und war in meinen jungen Jahren mächtig stolz.

Das eigentlich interessante daran im Zusammenhang mit dem 11. September 2001 war, dass ich bei einem der wichtigsten amerikanischen Unternehmen anfing. Es sollte sich später herausstellen, was das im Extremfall bedeutete.

Persönlich: 11. September 2001 – Der Extremfall

Plötzlich war der Extremfall da. Über das offiziell inoffizielle Zweitkommunikationsmittel bei Microsoft, dem MSN Messenger, bekam ich von einem Mitarbeiter eine Nachricht, ich solle einmal Nachrichten lesen, denn es sei etwas schlimmes passiert. Daraufhin versuchte ich n-tv.de und hatte trotz unserer superschnellen Anbindung eine grottenlangsame Verbindung, was mich schon stutzig machte. Trotzdem war es noch so früh, dass sich die Seite noch aufbaute und ich über den Einschlag des ersten Flugzeugs in das World-Trade-Center in New York erfuhr.

Daraufhin versuchte ich andere amerikanische Newsseiten wie CNN, aber es ging schon nichts mehr. Egal, was ich versuchte, alle wichtigen und aktuellen Newsseiten waren zusammengebrochen. Das war schon ein Schock, denn das letzte Mal, das etwas ähnliches passierte, war als Network-Solutions, der Betreiber der .com-Domains streikte und alle .com Domains abschaltete. Ich meine das war ca. 1999. Außerdem war es ein Angriff auf Amerika und wir waren in einem amerikanischen Unternehmen. Ein mulmiges Gefühl.

Daraufhin kamen unser Chef und alle anwesenden Mitarbeiter zusammen und wir berieten, wie wir an mehr Informationen kamen, denn unser Hauptinfokanal, das Internet war ja zusammengebrochen. Wir fanden dann tatsächlich einen kleinen Fernseher, auf dem wir alle zusammen das Geschehen verfolgen konnten.

Beim zweiten Einschlag, war spätestens dem letzten Zweifler klar, dass es sich um einen kriegerischen Akt gegen Amerika handelte. Dann fingen wir auch schon an über unser weiteres Verhalten als Mitarbeiter in einem amerikanischen Unternehmen zu reden. Vorsichtsmaßnahmen usw.

Persönlich: 11. September 2001 – Die folgenden Wochen

Offizielle wurden die Sicherheitsmaßnahmen verschärft. Bei Microsoft versucht man das immer verdeckt zu tun, aus welchem Grund auch immer. Auf jeden Fall bekommt der normale Mitarbeiter kaum etwas mit. Natürlich wissen alle, dass eigentlich alles überprüft werden kann und das es auch versteckte Kameras und besonders auf jedem Computer Kontrollprogramme gibt.

Der normale Mitarbeiter merkt das nur, weil der Computer beim Hochfahren alle möglichen Dateien überträgt, weil man selbst über jeden Computer Jalousien hoch und runter fahren kann und auch weltweit auf alle anderen Computer von Microsoft-Mitarbeitern zugreifen kann oder auf ihren Druckern drucken kann und weil wir beim parken des Firmenwagens unter dem Gebäude nun von neuen Security-Leuten überprüft wurden.

Auch bei unseren Geschäftsflügen, besonders denen nach Amerika, gab es nun eine Neuerung. Es sollten nie mehr als zwei Microsofties in einer Maschine sitzen. Allein der Logistikaufwand, den Microsoft betreiben musste um bei unserem weltweiten Sales-Meeting in Miami-Beach alle 12.000 Microsoft-Sales-Mitarbeiter nach Miami zu bekommen, war für mich ein absolut gigantischer Gedanke, aber es hat perfekt funktioniert.

Ein wenig befremdlich waren für mich in Miami die Outbreak-Sessions, wo wir fast kriegerisch “We byte Yahoo! in year ’02” skandieren sollten. Das war nach den Erlebnissen des Jahres sicherlich überzogen.

Zu allem Überfluss explodierte kurze Zeit danach bei einer naheliegenden BMW-Produktion noch eine Fertigungshalle, worauf wir noch Smogalarm hatten und alle Jalousien und Fenster geschlossen wurden.

Alles in allem ein aufregendes Jahr 2001. Seitdem waren wir alle ein wenig sensibler und wussten auch, dass nicht nur Amerika verwundbar war, sondern auch die gesamte neue und tolle Internettechnologie ziemlich platt war. Man fühlte sich sehr klein, aber es kam auch ein größeres Verantwortungsbewusstsein zutage. Der 11. September 2001 war irgendwie schon sehr persönlich.

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